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Vom frühen
Herbst bis zum Ende der Lese sorgt der ,,Wengertschütz
für die Einhaltung der Weinbergordnung. In Großbottwar
führte Albrecht Kranich bis 2008 über 30 Jahren
dieses Amt aus.
Aufgaben des Wengertschütz: "Seine Aufgabe
ist, er muss von Sonnenaufgang bis Sonnenuntergang Krach
machen. Einen Wengertschütz muss man immer hören.
Morgens lässt er in aller Frühe einen Böller
los, damit die Leute in der Stadt auch wissen, dass
der Wengertschütz aufgestanden ist. Dann wird gerätscht
und aus der Pistole geschossen, damit die Stare und
andere Zweibeiner aus dem Wengert vertrieben werden.
Ein alter Wengerterspruch lautet:
" alles was ein Arsch hat, frisst auch Trauben".
Nicht nur Vögel, sondern Rehe und Dachse und so
manche Zweibeiner mögen Trauben.
Quelle: "Der Wengertschütz von
Großbottwar" von Dr. med Fritz Mayer-Ovens
Bis 2008 hat der damals 80-jährige Albert Kranich
aus Großbottwar diese Aufgaben als Wengertschütz
über 30 Jahren ausgeführt. Anstatt früh
einen Böller loszulassen, wurden von ihm die Schußautomaten
in Gang gesetzt.
Der Arbeitstag von Albert Kranich begann früh und
endete erst, wenn die Dunkelheit einsetzte.
Ära der Weinberghut zu Ende
Von Werner Fuchs
Albert Kranich hat nach 40 Jahren die Rätsche einpacken
müssen. Aus gesundheitlichen Gründen kann
er die Weinberge nicht mehr hüten.Foto: Archiv/Fuchs
Grossbottwar - Eine Jahrhunderte währende Epoche
ist im Bottwartal zu Ende gegangen: die Weinberghut.
Der letzte Wengertschütz in Großbottwar,
der 81-jährige Albert Kranich, hat sein Amt aus
gesundheitlichen Gründen abgegeben. An seinem Stützpunkt,
dem städtischen Weinberghäusle am Harzberg,
wurde er von Bürgermeister Rainer Gerhäusser
und dem Vorsitzenden des Land- und Weinbauvereins, Hans
Gabler, mit Dankesworten und Präsenten verabschiedet.
Das Rätschen des Wengertschützen am Harzberg
ist jetzt nicht mehr zu hören. In den vergangenen
Jahrzehnten hatten Schussapparate schon die Pistole
abgelöst. Als Albert Kranich vor 40 Jahren begann,
standen rund 20 Weinbergschützen im Sold der Kommune,
Winzerhausen, Hof und Lembach einbezogen. Von der Morgendämmerung
bis zum Einbruch der Dunkelheit drehten sie ihre Runden
in den Weinbergen, ein Teivon ihnen übernachtete
in den eigens für sie eingerichteten Weinberghäuschen.
Kranich löste oftmals Wengertschützen über
das Wochenende ab, später verwendete er seinen
Urlaub für die Weinberghut, der er sich dann ab
dem Vorruhestand immer im Herbst voll widmen konnte.
Langstielrätsche Als Weingärtnerssohn war
ihm die Arbeit in den Weinbergen nicht fremd. Das Krachmachen
in einem besonderen Rhythmus mit der Langstielrätsche
beherrschte Kranich so meisterhaft, dass er sogar bei
Wettbewerben Preise gewann. Die Geräuschkulisse
vertrieb nicht nur hungrige Staren, sie war auch für
die aufmerksamen Weinbergbesitzern ein Zeichen, dass
der Wengertschütz unterwegs war. Das war ihnen
natürlich wichtig. Zu früheren Zeiten wurde
aus der Mitte des Gemeinderats sogar ein Stadtrat gewählt,
der die Feld- und Wengertschützen zu kontrollieren
hatte. Aber auch vor Traubendieben musste der Wengertschütz
auf der Hut sein. Doch den Spaziergänger, der gelegentlich
eine Beere stibitzte, lies er ungeschoren davonkommen.
Rund 20 Kilometer betrug die tägliche Wegstrecke
Kranichs durch die Harzbergweinberge. Auch das An- und
Abstellen der Schussapparate gehörte zu seinen
Aufgaben.
Im vergangenen Jahr an seinem 80. Geburtstag dachte
Albert Kranich noch nicht ans Aufhören: „So
lange mich meine Füße tragen und ich die
Rätsche schwingen kann, mach ich den Wengertschütz.
Wenn ich es nicht mache, gibt es keinen mehr“,
sagte er. Das ist jetzt eingetroffen. Da die Schussapparate
nicht mehr bedient werden, hat die Stadt zehn vollautomatische
elektronische „Tierscheuchen“ angeschafft
die hohe Frequenztöne ausstrahlen. Diese stören
die Menschen weniger als das laute Knallen, die Vögel
schrecken sie jedoch ab.
Albert Kranich bleibt noch ein zweites Hobby, das an
seine Wengertschützenzeiten erinnert: das Herstellen
hölzerner Rätschen. Wie viele dieser siebenteiligen
langstiligen Krachmacher er handgefertigt hat, weiß
er nicht. In vielen Häusern Großbottwars
haben sie als Schmuck und Standeszeichen einen Ehrenplatz.
Quelle: Heilbronner-Stimme
2009 verstarb der Wengertschütz Albert
Kranich.
Bericht der Marbacher-Zeitung
Eine Woche vor seinem 83. Geburtstag ist am Mittwoch
Albert Kranich nach längerer Krankheit gestorben.
Der gebürtige Großbottwarer Landwirts- und
Weingärtnersohn, der nach seiner Schulzeit den
Beruf eines Schuhmachers erlernte und später als
Dreher arbeitete, war zeitlebens ein begeisterter Weinbergschütze.
In den vergangenen 40 Jahren war er immer zur Herbstzeit
im Harzberg und Bönning unterwegs, während
seines Berufslebens bei der Firma Getrag nahm er dazu
seinen Jahresurlaub. Mit seiner Langstilrätsche
beherrschte er einen besonderen Rhythmus, der ihm bei
Wettbewerben unter seinesgleichen oft Preise einbrachte.
Oft wurde er auch bei besonderen Anlässen zum Schaurätschen
gerufen und schwang so auch vor Gästen, Politikern
und Ministern seine Rätsche.
Rätschen fertigte er in seinem Ruhestand an die
100 selbst an und ließ sie von einem Freund mit
herbstlichen Motiven bunt bemalen. "Solang mich
meine Füße tragen und ich die Rätsche
schwingen kann, mach ich Wengertschütz", war
eine seiner Redensarten. Doch im Herbst vor zwei Jahren
im Alter von 81 Jahren musste er aus gesundheitlichen
Gründen aufhören, die täglich 20 Kilometer
lange Wegstrecke war nicht mehr zu schaffen. Mit Albert
Kranich endete damals auch die Jahrhunderte alte Tradition
eines Weinbergschützen in Großbottwar.
Quelle: Marbacher-Zeitung
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