Tourismus > Sehenswürdigkeiten > Kultur > Der Wengertschütz
 
 
Tourismus
Sehenswürdigkeiten
Gastronomie
Freizeit
Service
Region
Das Bottwartal
Wein
Vereine
Veranstaltungen
Wirtschaft
Firmen
Branchenverzeichnis
Marktplatz
Anzeigenmarkt
Anzeigenformular
Forum
Forum
Unterhaltung
Nachrichten
Spiele
Eintrag

Werbung schalten im www.das-bottwartal.de

Hier finden Sie alle wichtigen Informationen

 
 

Der Wengertschütz von Grossbottwar

Vom frühen Herbst bis zum Ende der Lese sorgt der ,,Wengertschütz“ für die Einhaltung der Weinbergordnung. In Großbottwar führt Albrecht Kranich seit 30 Jahren dieses Amt aus.

"Seine Aufgabe ist, er muss von Sonnenaufgang bis Sonnenuntergang Krach machen. Einen Wengertschütz muss man immer hören. Morgens lässt er in aller Frühe einen Böller los, damit die Leute in der Stadt auch wissen, dass der Wengertschütz aufgestanden ist. Dann wird gerätscht und aus der Pistole geschossen, damit die Stare und andere Zweibeiner aus dem Wengert vertrieben werden. Ein alter Wengerterspruch lautet: " alles was ein Arsch hat, frisst auch Trauben". Nicht nur Vögel, sondern Rehe und Dachse und so manche Zweibeiner mögen Trauben.

Quelle: "Der Wengertschütz von Großbottwar" von Dr. med Fritz Mayer-Ovens
Der 80-jährige Albert Kranich aus Großbottwar führt diese Aufgaben als Wengertschütz seit annähernd 30 Jahren aus. Anstatt früh einen Böller loszulassen, werden von ihm die Schußautomaten in Gang gesetzt.
Der Arbeitstag von Albert Kranich beginnt früh und endet erst, wenn die Dunkelheit einsetzt.

Ära der Weinberghut zu Ende
Von Werner Fuchs

Albert Kranich hat nach 40 Jahren die Rätsche einpacken müssen. Aus gesundheitlichen Gründen kann er die Weinberge nicht mehr hüten.Foto: Archiv/Fuchs Grossbottwar - Eine Jahrhunderte währende Epoche ist im Bottwartal zu Ende gegangen: die Weinberghut. Der letzte Wengertschütz in Großbottwar, der 81-jährige Albert Kranich, hat sein Amt aus gesundheitlichen Gründen abgegeben. An seinem Stützpunkt, dem städtischen Weinberghäusle am Harzberg, wurde er von Bürgermeister Rainer Gerhäusser und dem Vorsitzenden des Land- und Weinbauvereins, Hans Gabler, mit Dankesworten und Präsenten verabschiedet.

Das Rätschen des Wengertschützen am Harzberg ist jetzt nicht mehr zu hören. In den vergangenen Jahrzehnten hatten Schussapparate schon die Pistole abgelöst. Als Albert Kranich vor 40 Jahren begann, standen rund 20 Weinbergschützen im Sold der Kommune, Winzerhausen, Hof und Lembach einbezogen. Von der Morgendämmerung bis zum Einbruch der Dunkelheit drehten sie ihre Runden in den Weinbergen, ein Teivon ihnen übernachtete in den eigens für sie eingerichteten Weinberghäuschen. Kranich löste oftmals Wengertschützen über das Wochenende ab, später verwendete er seinen Urlaub für die Weinberghut, der er sich dann ab dem Vorruhestand immer im Herbst voll widmen konnte.

Langstielrätsche Als Weingärtnerssohn war ihm die Arbeit in den Weinbergen nicht fremd. Das Krachmachen in einem besonderen Rhythmus mit der Langstielrätsche beherrschte Kranich so meisterhaft, dass er sogar bei Wettbewerben Preise gewann. Die Geräuschkulisse vertrieb nicht nur hungrige Staren, sie war auch für die aufmerksamen Weinbergbesitzern ein Zeichen, dass der Wengertschütz unterwegs war. Das war ihnen natürlich wichtig. Zu früheren Zeiten wurde aus der Mitte des Gemeinderats sogar ein Stadtrat gewählt, der die Feld- und Wengertschützen zu kontrollieren hatte. Aber auch vor Traubendieben musste der Wengertschütz auf der Hut sein. Doch den Spaziergänger, der gelegentlich eine Beere stibitzte, lies er ungeschoren davonkommen. Rund 20 Kilometer betrug die tägliche Wegstrecke Kranichs durch die Harzbergweinberge. Auch das An- und Abstellen der Schussapparate gehörte zu seinen Aufgaben.

Im vergangenen Jahr an seinem 80. Geburtstag dachte Albert Kranich noch nicht ans Aufhören: „So lange mich meine Füße tragen und ich die Rätsche schwingen kann, mach ich den Wengertschütz. Wenn ich es nicht mache, gibt es keinen mehr“, sagte er. Das ist jetzt eingetroffen. Da die Schussapparate nicht mehr bedient werden, hat die Stadt zehn vollautomatische elektronische „Tierscheuchen“ angeschafft die hohe Frequenztöne ausstrahlen. Diese stören die Menschen weniger als das laute Knallen, die Vögel schrecken sie jedoch ab.
Albert Kranich bleibt noch ein zweites Hobby, das an seine Wengertschützenzeiten erinnert: das Herstellen hölzerner Rätschen. Wie viele dieser siebenteiligen langstiligen Krachmacher er handgefertigt hat, weiß er nicht. In vielen Häusern Großbottwars haben sie als Schmuck und Standeszeichen einen Ehrenplatz.
Quelle: Heilbronner-Stimme

 

2009 verstarb der Wengertschütz Albert Kranich.
Bericht der Marbacher-Zeitung
Eine Woche vor seinem 83. Geburtstag ist am Mittwoch Albert Kranich nach längerer Krankheit gestorben. Der gebürtige Großbottwarer Landwirts- und Weingärtnersohn, der nach seiner Schulzeit den Beruf eines Schuhmachers erlernte und später als Dreher arbeitete, war zeitlebens ein begeisterter Weinbergschütze. In den vergangenen 40 Jahren war er immer zur Herbstzeit im Harzberg und Bönning unterwegs, während seines Berufslebens bei der Firma Getrag nahm er dazu seinen Jahresurlaub. Mit seiner Langstilrätsche beherrschte er einen besonderen Rhythmus, der ihm bei Wettbewerben unter seinesgleichen oft Preise einbrachte. Oft wurde er auch bei besonderen Anlässen zum Schaurätschen gerufen und schwang so auch vor Gästen, Politikern und Ministern seine Rätsche.

Rätschen fertigte er in seinem Ruhestand an die 100 selbst an und ließ sie von einem Freund mit herbstlichen Motiven bunt bemalen. "Solang mich meine Füße tragen und ich die Rätsche schwingen kann, mach ich Wengertschütz", war eine seiner Redensarten. Doch im Herbst vor zwei Jahren im Alter von 81 Jahren musste er aus gesundheitlichen Gründen aufhören, die täglich 20 Kilometer lange Wegstrecke war nicht mehr zu schaffen. Mit Albert Kranich endete damals auch die Jahrhunderte alte Tradition eines Weinbergschützen in Großbottwar.
Quelle: Marbacher-Zeitung

Das könnte Sie auch interessieren
 

 

 
Der Wengertschütz_1
Der Wengertschütz_2
Der Wengertschütz_3
Der Wengertschütz_4
Der Wengertschütz_5
 
 
 
   
• © csv-webdesign